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Freiwilligendienst Südafrika

Nach einem 24stündigen Flug kam ich Anfang September 2004 in Kapstadt an. Die ersten Eindrücke waren gleich geprägt von der Gegensätzlichkeit der Stadt. Auf dem Weg vom Flughafen zur Gastfamilie passierten wir erst die Townships, die sich stadteinwärts an der Autobahn entlang ziehen, danach eine groß angelegte Golfanlage, bevor wir im Stadtviertel unserer Gastmutter ankamen, wo ich die nächsten 2 ½ Monate mit zwei weiteren Studenten aus Europa wohnte. Hier wimmelte es nur so von hohen Zäunen, Alarmanlagen und weiteren Sicherheitsvorkehrungen, wodurch sich bei mir in den ersten Tagen ein eher beklemmendes Gefühl breit machte. Als nach wenigen Tagen die Einführungswochen mit 15 weiteren Freiwilligen aus Europa begannen und ich anfing, mich auf die Menschen und die Vielfalt der Stadt einzulassen, verschwand dieses Gefühl sehr rasch.

In den Einführungswochen lernten wir die verschiedenen Projekte kennen und machten zudem einige spannende Tagestouren. Diese wurden meist von Roarie, einem der Mitarbeiter der School of English in Claremont, begleitet. Seine Anekdoten sowie seine offene Art, mit den Menschen umzugehen, füllten die Tagestouren mit viel Leben. Besonders in Erinnerung ist mir auch die Townshiptour geblieben. Hier hatte ich das erste Mal das Gefühl, bei den Menschen in Afrika angekommen zu sein. Die ganze Tour war wie eine Reise von der Ersten in die Dritte Welt. Mich faszinierte vor allem die Lebensfreude und Warmherzigkeit, die die Menschen trotz ihres einfachen und von Armut geprägten Lebens ausstrahlten. Daneben lernten wir auf der Tour 3 sehr beeindruckende Menschen kennen, die fast ihr ganzes Leben für die Anderen in der Community opfern und versuchen durch Bildung, Nahrung für alle und den Kampf gegen AIDS das Leben in Südafrika zu verbessern.

Bei der Projektarbeit entschied ich mich für die Arbeit an einer nichtstaatlichen Schule für Straßenkinder. Ich übernahm dort mit einer anderen Freiwilligendienstlerin eine achtköpfige Klasse mit Schülern im Alter von 11-14 Jahren. Wir unterrichteten hauptsächlich Mathe und Englisch, wobei sich der Unterricht in beiden Fächern auf das Basiswissen beschränkte. Unterrichtszeit war circa drei bis vier Stunden am Tag. Montags und freitags gab es eine Morgenandacht, wo alle Lehrer und Schüler zusammenkamen. Dort wurde viel gesungen, gepredigt und gebetet.

Vieles, was ich aus dem deutschen Schulsystem und von meiner eigenen Zeit als Schüler kannte, war hier komplett anders. Es gab z. B. keinen richtigen Lehrplan, da die Schüler vom Alter und auch von der Leistung weit auseinander lagen.

Aufgrund der fehlenden Konzentrationsfähigkeit und den wechselnden Launen der Straßenkinder, war es sehr vorteilhaft, dass wir zu zweit unterrichten. Einen Tag kam man sehr gut voran, den nächsten Tag standen einige unter Drogen und Unterricht war kaum möglich. Um allerdings richtige Lernfortschritte zu erzielen, war die Zeit oft zu kurz. Somit war es für mich sehr wichtig, eine Vertrauensbasis zu den Kids über gemeinsame Erlebnisse und Unternehmungen aufzubauen. Die Nachmittage verbrachte ich oft im Homestead, wo 40 der Straßenkinder untergebracht waren. Wir haben zusammen Fußball gespielt, geskatet, Bilder gemalt, Karten gespielt, sind zum Strand gefahren oder haben einfach nur gemeinsam die Zeit miteinander verbracht.

Ziemlich zum Ende meines Aufenthalts in Südafrika fragte mich einmal ein erwachsener Einheimischer, ob ich bei dem Projekt den Kindern mehr beibringen konnte, oder sie mir? Diese Frage kann ich bis heute nicht eindeutig beantworten. Neben der Lebensfreude der Kinder war ich vor allem erstaunt, wie viel Mut diese in ihrem Alter aufbrachten, um aus ihrem Umfeld herauszukommen und etwas aus Ihrem Leben zu machen. Die Bedeutung des Glaubens spielte in diesem Kontext für die Kinder eine große Rolle. Es gibt ihnen Halt und erstmals eine Struktur im Leben.

Weitere Höhepunkte in der Zeit bei Learn to Live war das Mitwirken bei der Organisation eines Musikfestivals auf dem Schulgelände und in den einwöchigen Schulferien die Mitarbeit am Projekt Building Houses, wo ich mit einigen Nordiren die Einheimischen beim Neubau von Häusern in den Townships unterstützte.

Was mir neben der Projektarbeit noch sehr gut in Erinnerung geblieben ist, ist der Kontakt zu den local people. So vielfältig und abwechselungsreich wie die Stadt Cape Town, sind auch die Menschen, die in ihr leben. Über die Gastfamilie, die anderen Freiwilligen und vor allem über die Arbeit war es mir möglich, aus den unterschiedlichsten Schichten Menschen kennen zu lernen, Einblicke in ihr alltägliches Leben zu gewinnen und unvergessliche Momente mit ihnen zu teilen.

Weitere Highlights waren der Savannah Trek und eine einwöchige Reise mit zwei anderen Freiwilligendienstlern entlang der Garden Route (Teil der Südküste Südafrikas). Den ersten Tag sind wir mit dem Bus bis zum Ende der Gardenroute mitten in ein Naturschutzgebiet gefahren. Die darauf folgenden Tage sind wir dort von Ort zu Ort Richtung Kapstadt zurückgetrampt. Entgegen allen Warnungen stellte sich das Trampen als interessante und preiswerte Reisealternative heraus. Auf dieser Reise ließen wir das Meiste einfach geschehen und genossen es, spontan und unabhängig zu reisen.

Der dreieinhalbwöchige Savannah Trek war dagegen sehr gut durchgeplant, was aber angesichts der 8500 zurückzulegenden Kilometer auch nicht anders möglich war. Die Reise ging von Kapstadt über Namibia, Botswana zu den Victoriafällen in Zimbabwe. Wem 3 Wochen zelten, sehr frühes Aufstehen und eine längere Phase in einer größeren Gruppe zu verbringen, nichts anhaben können, der kann hier eine wahnsinnig spannende und unglaublich schöne Zeit erleben.

Jan Berewinkel             Email: baeron@freenet.de

 

 

  

 

 


 

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